Drück Mich!

Ein Erfahrungsbericht von Dorothea Gross –

Ich bin Doro und ich liebe Umarmungen. Ich meine nicht die kurzen Hallo- und Tschüßumarmungen, sondern vor allem die Echten, die mit Gefühl. Umarmungen, die mir zeigen, dass ich in diesem Moment an genau dem richtigen Ort bin.

Illustration: Dorothea Gross

„Eine Umarmung ist eine unausgesprochene Erlaubnis, zu 100 Prozent authentisch und real zu sein.“, schreibt Robert Gladitz. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen dabei zu unterstützen, ihr eigenes Ding durch zu ziehen und ihr Business basierend auf ihrer Leidenschaft aufzubauen. In seinem Team darf die morgendliche Umarmung nicht fehlen. Die Psychotherapeutin Virginia Satir, einePionierin der Familientherapie, geht noch einen Schritt weiter. Sie sagt, „Wir brauchen vier Umarmungen pro Tag zum Überleben. Acht Umarmungen pro Tag um uns gut zu fühlen und zwölf Umarmungen pro Tag zum innerlichen Wachsen.” Oha… wieso bin ich dann nicht schon tot?

Illustration: Dorothea Gross

Doch wieso umarmen wir uns so selten und noch seltener richtig? Bei einer Umarmung dringen wir in die intime Distanzzone eines anderen Menschen. Gerade wenn wir die Person noch nicht so gut kennen, kann das die Privatsphäre verletzen und eher Unbehagen auslösen. Wir wollen nicht jeden so nah an uns heranlassen. Hinzu kommt die Unsicherheit darüber, wann eine Umarmung angebracht ist und ob der Andere überhaupt umarmt werden möchte. Wie wäre es dann mit der einfachen Frage: „Darf ich dich umarmen?“

Diese Zahlen sind zwar nicht wissenschaftlich belegt, dennoch gibt es einige Studien, die darauf hinweisen, dass Umarmungen und Körperkontakt eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden spielen. Bei einer längeren Umarmung setzt unser Körper Oxytocin frei, dessen Funktion u.a. darin besteht, dass wir uns gut und wohl fühlen. Der Cortisolspiegel und unser Blutdruck wird gesenkt, wir sind weniger gestresst und das ist gut fürs Herz. Es gibt Studien die beweisen, dass Umarmungen nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern auch das Immunsystem stärken, indem sie die Thymusdrüse dazu anregen mehr weiße Blutzellen zu produzieren. Häufiger umarmte Menschen werden seltener krank.*

Eine Umarmung ist die perfekte Art zu zeigen, was wir fühlen, wenn wir nicht die richtigen Worte finden. Wenn ich jemanden umarme, will ich ihm sagen, „Du bist gut so wie du bist. Du bist genau richtig. Ich halte dich. Ich bin für dich da.“.


*Studie von Sheldon Cohen, Denise Janicki-Deverts, William J. Doyle, 2014: „Does hugging provide stressbuffering social support? A study of susceptibility to upper respiratory infection and illness“

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