Das Stipendium in der Fahrradtasche

Ein Bericht von Rebecca Osterberg –

„Das funktioniert nicht“, hatte ihre Professorin gesagt. Heute, fünf Jahre später, ist Heike de Quadros Exist-Gründerstipendiatin. Sie produziert Fahrradtaschen. Und wie das funktioniert!

Die Fahrradtasche zusammen gefaltet (banana for scale) – Foto: Heike de Quadros

Heike ist davon überzeugt, dass es immer einen Weg gibt, gute Ideen umzusetzen. Bereits im dritten Semester ihres Produktdesign-Studiums entwickelte sie einen Prototypen der Fahrradgepäcktaschen, mit denen sie sich innerhalb des kommenden Jahres selbstständig machen will. Es nervte sie, regelmäßig vor dem Einkaufen heim radeln zu müssen um ihre Taschen zu holen, wo doch der Supermarkt genau zwischen ihrer Wohnung und der Hochschule liegt. Sie wünschte sich Gepäcktaschen, die schnell an- und abmontierbar und leicht sind. Also entwickelte Heike im Rahmen eines „Upcycling“-Kurses ihre eigenen Transporttaschen. Inspiriert von den kleinen Beutelchen, die zusammen gepackt kleiner als eine Faust sind, entstand eine Tasche, die so viel Volumen bietet, wie zwei normale Jutebeutel. Einfach den mittleren Teil unter den Gepäckträger klemmen und schon können die beiden Seiten befüllt werden. Wird die Tasche gerade nicht benötigt, lässt sie sich kompakt zusammenfalten. Sie ist dann nur noch so groß wie eine 0,5 Liter Flasche und ähnlich schwer. Seit inzwischen fünf Jahren kommt diese Tasche mehrmals die Woche bei Heike zum Einsatz.

Ab dem nächsten Frühling sollen 100 bis 200 Gepäcktaschen monatlich verkauft werden. Bis dahin muss noch viel passieren, aber Heike hält ihr Ziel für realistisch. Derzeit fertigt sie 20 Prototypen. Tester erproben die Taschen dann in der Praxis und geben mögliche Verbesserungsvorschläge.

Die Fahrradtasche in ihrer ganznen Pracht – Foto: Heike de Quadros

Zielgruppe finden und richtig bewerben

Heike hat viel vor während der zwölf Fördermonate. Langfristig hofft sie, dass der Verkauf der Taschen die Entwicklung neuer Projekte unterstützt. Dafür muss nicht nur das Produkt an sich stimmen, sondern auch die Verpackung und Vermarktung. Gerne möchte sie mit Studierenden der Hochschule zusammen arbeiten und bald ein bis zwei NäherInnen einstellen. Auch eine Kooperation mit den Wismarer Werkstätten (eine gemeinnützige Einrichtung für Menschen mit Behinderung) stellt sich Heike vor. Mit dem Robert-Schmidt-Institut der Hochschule konnte Heike bereits einige Vormarktstudien durchführen und viele in ihrem Umfeld warten darauf, endlich eine ihrer Fahrradtaschen kaufen zu können. Derart positiv gestimmt möchte Heike mit ihrem Produkt auf Fahrradclubs und spezielle Geschäfte zugehen und hofft so Vertriebspartner zu finden. Auch ein Patent wurde schon angemeldet und es soll auf spezielle „Fahrradländer“ wie Dänemark und die Niederlande ausgeweitet werden.

Mutig sein fürs Leben

„MV braucht etwas, wo Studierende auch mal bleiben und nicht immer nur wegziehen “, findet Heike. Mit ihrer Unternehmensgründung möchte sie für Absolventen einen Anreiz schaffen, in Wismar zu bleiben. Studierende, vorrangig aus dem Designbereich, könnten in ihrem Design-Atelier ihre Diplomarbeiten weiterentwickeln und vertreiben oder auch von Heike den Weg in die Selbstständigkeit erlernen. Als ihre Angestellten könnten sie in jeden Bereich hineinschnuppern und sich das nötige Know-How für das eigene Unternehmen abschauen. Wer mit dem Gedanken des eigenen Unternehmens spielt, sollte auf so viele Angebote wie möglich zurückgreifen. Es gibt viele Förderprogramme und auch ein Gespräch mit Professoren oder Hartmut Domröse vom Robert-Schmidt-Institut können hilfreich sein. Es ist wichtig, sich bemerkbar zu machen. Heike ist sich sicher, wenn man zu 100 Prozent hinter seiner Idee steht, findet man Mitstreiter. Natürlich gehört Mut dazu und bei der ersten Hürde sollte man nicht gleich die Flinte ins Korn werfen. Ihr Tipp lautet: Für den Anfang das Ziel kurz ausblenden und losgehen. Zwischendurch aufblicken und den Kurs korrigieren und dann weiter machen. Und irgendwann produzierst du deine Fahrradtaschen aus dem dritten Semester und machst dich selbständig.


Fakten zum Exist-Gründerstipendium:

  • Das Exist-Gründerstipendium ist ein Bundesprogramm, dass innovative Gründungsideen fördert. Wichtig: Bei Beginn der Förderung darf noch nicht gegründet sein.
  • Es werden Einzelpersonen und Teams mit bis zu drei Personen gefördert.
  • Entscheidend für die Förderung sind der Innovationscharakter der Idee/des Produktes sowie die für die Umsetzung  entscheidenden Kompetenzen der Teammitglieder. Teams mit Vertretern aus verschiedenen Expertengebieten werden bevorzugt.
  • Gefördert werden:
    • Hochschulabsolventen bis maximal fünf Jahre nach ihrem Abschluss
    • Studierende, die mehr als die Hälfte des Studiums absolviert haben
  • Die maximale Förderdauer beträgt ein Jahr.
  • Förderhöhen:
    • Sicherung des Lebensunterhalts mit bis zu 3000 € monatlich
    • Sachausgaben mit 10.000 € bis 30.000 €
    • Coaching mit 5000 €
  • Antragsteller ist die Hochschule, nicht die Gründer selbst. Vorteil: Wenn während der Förderphase Gewinn erwirtschaftet wird, darf dieser direkt behalten werden und die Fördersumme wird nicht reduziert. So entsteht nach Ablauf der Förderung kein finanzielles Loch.
  • Anträge können jederzeit eingereicht werden. Es gibt keine Fristen. Die Bearbeitung dauert bis zu drei Monaten.
  • Der Antrag erfolgt mit einem Ideenpapier, welches etwa 25 Seiten umfasst.
  • Sollte die Gründung oder das gegründete Unternehmen scheitern, wird kein Geld zurückgefordert.
  • Mehr Informationen gibt es unter www.exist.de

Wenn Du eine innovative Idee hast und den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchtest, kannst Du Dich an das Gründungsbüro des Robert-Schmidt-Instituts in Haus 20 Raum 101 wenden. Hartmut Domröse hilft Dir gerne und bietet jedem ein Knoppers an.


zur Person:

Heike de Quadros – Foto: Rebecca Osterberg

Heike de Quadros studierte innenarchitekonisches Design und lebte einige Jahre in Mosambik. 2010 kam sie an die Hochschule Wismar zur Studienberatung. Auf der Suche nach einem Kaffee wurde Heike von einem Professor der Fakultät Gestaltung in Haus 7a bis zum Kaffeeautomaten begleitet. Sie dachte sich, an einer Hochschule, wo die Nähe zwischen Student und Professor so ist, da willst du Produktdesign studieren. Von 2011 bis 2016 tat sie dies.

Close